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Was in Kassel wirklich geschah...

Kleiner Bericht zur Marina Kassel

Entschuldigt bitte vielmals, dass das alles ein bisschen länger gedauert hat, als geplant...Aber wie so oft: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt ;) #Privatfoo

Zudem haben leider nur sehr wenige irgendwas auf oder von der Marina dokumentiert, so dass ich eine Vollständigkeit nicht garantieren kann. Ebenso warne ich vor, dass jede Wahrnehmung meist subjektiv ist, so auch meine ;) (und hier in Teilen meine persönliche Meinung/Eindruck mit einfließt).

Eine Link- und Infosammlung findet ihr auch auf der Wiki-Seite der Marina Kassel 2013.2: http://wiki.piratenpartei.de/Marina_Kassel_2013_2

Erst mal: Der Austragungsort

Wir waren in der Jugendherberge Kassel, Schenkendorfstr. 18, Kassel http://marina.machmaldieaugenauf.de/location/

Dort waren wir in Mehrbettzimmern eingeteilt und bekamen Frühstück, Mittag- und Abendessen.

Der Samstag:

Am Samstag ging es morgens nach dem Frühstück erst mal darum, einen Ablaufplan und mögliche Slots zu finden. Nachdem eine mögliche TO vorgeschlagen wurde, kam es doch zu hitzigen Diskussionen, ob der erste Tag nahezu ausschließlich mit Vorträgen (wie vorgeschlagen) zu unterschiedlichen Themen gehen soll oder eben nicht. Die Mehrheit war dann dafür, möglichst viel in Gruppen diskutieren zu können, um sich über die Erfahrungen im Bundestagswahlkampf auszutauschen. Die geplanten Vorträge wurden dann in großen Teilen ans Ende des 1. Tages gesetzt.

Ich selbst war morgens/vormittags im Slot "Strategie" und der Gruppe „Profil der Piraten“. Wir haben viel darüber gesprochen, wie wir nach Außen wirken und was wir eigentlich wollen. Dabei ging es nicht konkret um bestimmte Inhalte und Themen und wir waren uns auch alle einig, dass es nicht darum geht, nun etwas zu finden was der Wähler hören will, sondern wir fingen an, darüber zu sprechen, wer wir aus unserer Sicht sind und was das besondere an uns ist. Was uns einst mal selbst zur Partei hingezogen hat.

Wir waren uns recht schnell einig, dass wir die einzige Partei sind, die eine Gesellschaftsvision hat, die den Wunsch nach einem anderen Menschenbild hat. Einem positiven, das auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen beruht. Wir haben recht ausführlich darüber gesprochen und philosophiert und doch gleichzeitig festgestellt, dass das nirgends mal schriftlich niedergelegt ist, etwas Niedergeschriebenes mit dem wir uns alle identifizieren können. Das was uns und diese Bewegung eigentlich wirklich ausmacht. Das was wir den Menschen näher bringen wollen, was wir eigentlich wie anders machen wollen.

Menschenbild war ein wichtiges Wort in der Diskussion. Wir haben aber auch darüber gesprochen, wie wir teilweise selbst miteinander umgehen und es noch nicht schaffen, selbst diesem Menschenbild gerecht zu werden. Wir müssen erst mal weiter intern an uns arbeiten, um auch glaubhaft diese Positionen nach außen vertreten zu können.

Nach der Diskussion stellten wir uns die Frage, mit welchem Ergebnis wir jetzt eigentlich aus dem Slot gehen und stellten fest: Leider können wir kein konkretes Ergebnis liefern. Das wäre aber auch nicht sinnvoll. Diese Diskussion darf nicht nur im klein klein auf der Marina geführt werden, sondern es müssen alle die Möglichkeit bekommen, daran teilzunehmen. Leider habe ich von denjenigen, die sich um den Rahmen hierfür kümmern wollten, nichts mehr gehört...habt ihr Ideen dazu? Schreibt mich gerne an :)

(Persönlicher Nachschub: Ich bin mir sicher, wenn wir es schaffen den Menschen zu verdeutlichen, wie wir uns ein Zusammenleben und eine Gesellschaft/Welt vorstellen, können andere Inhalte auch viel leichter transportiert werden, weil ein Grundverständnis und Vertrauen da ist. Ich denke, dass viele Menschen, die selben Wünsche, Vorstellungen und Visionen haben wie wir. Ich höre nur immer wieder: „Wer bin ich schon? Was kann ich alleine schon bewirken?“ Wenn wir die alle erreichen und ihnen zu spüren geben, dass wir gemeinsam dafür kämpfen und niemand alleine ist, kann das was ganz großes werden und es müssen keine Visionen und Wünsche bleiben. Aber erst mal selbst das leben, was man predigt ;)

Und wir brauchen Menschen, die diese Visionen auch transportieren können. Menschen die Menschen auf einer emotionalen Ebene erreichen->das war auch Konsens in den Gesprächen auf der MK))

Nach der „Gruppenarbeit“ fanden wir uns in der Gesamtgruppe „Strategie“ wieder zusammen und es gab eine kurze Zusammenfassung.

Hier noch der Link zur Gruppe „Timeline-Europawahl“: https://clay.piratenpad.de/TimelineEuropawahl

Parallel dazu fand ein Slot "Organisation" statt. Da ich selbst dort nicht anwesend war, hier die Links auf Clays Pads: https://clay.piratenpad.de/MK13Orga1-10-2013 und https://piratenpad.de/p/MK13Orga

Daraus hat sich eine Arbeitsgruppe gefunden, die sich mit dazugehörigen Anträgen zum BPT befasst: Weitere Informationen hierzu findet ihr auch hier: http://wiki.piratenpartei.de/Marina_Kassel_2013_2

Nachmittags gab es dann den Slot "Presse- und Öffentlichkeitsarbeit", an dem ich teilgenommen habe. Parallel dazu lief weiterhin der Slot „Organisation“

Im Slot „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit“ stellte incredibul erst mal seine Ideen zur Neustrukturierung der Bundespresse vor: Hier zu finden: - http://vorstand.piratenpartei.de/2013/09/28/konzept-organisation-der-oeffentlichkeitsarbeit/

Anschließend führten wir eine Diskussion dazu. Dabei stellte sich recht schnell raus, dass viele eigentlich auch über anderes hätten sprechen wollen. Nämlich über das, was alles im Wahlkampf schief gelaufen ist, unabhängig von fehlenden oder mangelnden Strukturen. Leider wurde dies, so mein ganz persönliches Empfinden, recht schnell abgebügelt und die Dinge, die viele wirklich bewegten und im Magen grummelten kamen kaum zur Sprache. War wahrscheinlich auch dem Umstand geschuldet, dass eigentlich sonst keiner aus der Bundespresse vor Ort war. Schade, ich persönlich hatte mir mehr von dem Slot versprochen...

Am späten Nachmittag gab es dann noch 2 Vorträge, die ich mir persönlich aber nicht angehört habe. Stattdessen habe ich mit Leuten aus der Bundesverwaltung (die gleichzeitig ihr Treffen hatten) gesprochen und mich mal auf den aktuellen Stand bringen lassen. Ebenso habe ich viel mit anderen Leuten aus anderen Bundesländern über die Erfahrungen im Wahlkampf gesprochen und sie dabei persönlich kennengelernt. Halt das mit der Vernetzung und so ;)

Am Abend waren wir dann noch alle im Holzwurm und haben den Abend gemütlich bei diversen Getränken ausklingen lassen.

Der Sonntag:

Am Sonntagmorgen ging es dann nach dem Frühstück mit den Slots „Mitgliederaktivierung“ und „Kampagnenfähigkeit“ weiter.

Ich selbst war in dem Slot „Kampagnenfähigkeit“. Wir haben mit ca. 20 Leuten über viele Dinge gesprochen, die bereits u.a. an diesem Wochenende genannt wurden. Ich versuche hier mal ein paar Punkte aufzuzählen (bestimmt nicht vollständig) die diskutiert wurden:

- Die Kommunikation zwischen Bund und Ländern funktionierte nicht gut

- Die Konzept der "Vier Säulen", die als Grundlage der Kampagne gedacht war, hat keine Akzeptanz gefunden, ist zu lange liegen geblieben und somit versandet

- Die Akzeptanz der später kurzfristig entwickelten Kampagne war nicht flächendeckend da

- Uns fehlte ein einheitliches Auftreten. Was zeichnet uns gemeinsam aus? (Siehe „Profil“)

- Wir haben viele gute, aber zerstreute Aktionen gemacht. Jeder wuselte so vor sich hin und hat einfach gemacht, weil es gefühlt keinen Rahmen gab

- jegliches gemeinsames Timing fehlte. Wann macht wer was und mit welchem Ziel?

- Der aktive Wahlkampf hat viel zu spät begonnen.

- Wir sind nicht mehr glaubwürdig rüber gekommen. „Erst wochenlang nicht mehr aktiv mitarbeiten und dann mit schwingenden Fahnen lauthals im Wahlkampf wieder auftauchen.“ sagte einer, der mit diversen NGOs gesprochen hat.

- Wir brauchen wieder mehr Aktivismus

- Nur Menschen können Inhalte transportieren. Potenzielle Identifikationsfiguren gab es entweder nicht oder sie wurden kaum unterstützt und gefördert.

- Pressevertreter haben diese Wahrnehmung bestätigt, ihnen fehlte besonders bei den Bundestagslistenkandidaten* eine offizielle Priorisierung, so dass sie sich aufgrunddessen auf keinen der Kandidaten* konzentriert haben, und die Kandidaten* in der Öffentlichkeit dann eben auch nicht ankamen

- etc.

Aus diesen Diskussionen hat sich herauskristallisiert, dass wir ein Team brauchen, dass sich ausschliesslich um die Kampagnenplanung/-fähigkeit und anschliessend um die Umsetzung dieser kümmert. Im Optimalfall besteht das Team aus Vertretern aller Landesverbände und bringt den dazugehörigen Input mit. Das Team kümmert sich dann um die Entstehung der Kampagne, unter Einbeziehung der jeweiligen Arbeitsgruppen, die dann in Zusammenarbeit mit den dazugehörigen Gruppen, wie der Bundes- und den Länderpressestellen, der SG Gestaltung/Kreative, SG Website, etc. ausgearbeitet und umgesetzt wird.

Wir haben zum Schluss unsere Kontaktdaten ausgetauscht und eine erste Vernetzungsmail ging rum. Nun findet am 07./08.12. in Dresden auf der Medientagung ein nächstes Treffen statt.

In dem Slot „Mitgliederaktivierung“ gab es einen Vortrag von Mario Tants: http://marina.machmaldieaugenauf.de/files/2013/03/Mitgliederaktivierung-im-Wahlkampf-MK13.pdf

Nach dem Mittag gab es noch eine Zusammenfassung aller Slots und eine Feedbackrunde.

Mein Resümee:

Aus meiner Sicht stand an diesem Wochenende ganz klar die Vernetzung und der Austausch im Vordergrund. Es war meine erste Marina Kassel und ich habe viele neue Leute kennengelernt, etwas über ihre Fähigkeiten und Aufgabengebiete erfahren; wir haben über mögliche zukünftige Projekte gesprochen (wie eben die Gründung eines Kampagnenteams; Spendenaktionen starten um Personal einstellen zu können und das nicht nur auf Bundesebene, sondern auch für die großen LVs; ein Barcamp zum Thema Kommunikation; Satzungsänderungsanträge für den Bundesparteitag etc.) Ich hatte das Gefühl, dass uns das Wochenende, insbesondere zwischen den Landesverbänden, näher zueinander gebracht hat, man konnte mal persönlich nachfragen und Missverständnisse aus dem Weg räumen. Man kennt die anderen nun besser und weis nun eher wo und was an Hilfe benötigt wird und von wem man welche Hilfe eventuell anfragen kann. Wir sind glaube ich nahezu alle zu dem Entschluss gekommen, dass wir solche Treffen viel öfters brauchen und das eigentlich aus jedem LV sich min. eine Person oder ein Team nur alleine für die Vernetzung zuständig fühlen sollte und so auch fester Ansprechpartner für andere ist. Derjenige soll nicht alle Aufgaben selber lösen, aber Leute zusammenführen, die sich gegenseitig unterstützen oder ergänzen können, Informationen dokumentieren (oder dokumentieren lassen) und diese bestmöglich zu kommunizieren. Wie sagte mir jemand mal so schön: Quasi einen Partnervermittler ;)

Es gab ja während der Marina viel Gezeter auf twitter. „Die Elite trifft sich“, „da kommt doch eh nix bei rum“, „da wird über uns hinweg gemauschelt und entschieden“, „Klüngelrunde“, "die machen ein schönes Wochenende auf unsere Kosten", etc.

Also hier spreche ist jetzt auch aus meiner ganz persönlichen Sicht. Ja, es wurde über einen zukünftigen BuVo gesprochen. Man hat einzelne Personen gefragt, ob sie kandidieren und wieder andere sind auch ganz offensiv mit ihren Plänen der Kandidatur umgegangen und haben Gespräche gesucht. Aber es wurde rein gar nichts beschlossen! Eher im Gegenteil. Ich habe immer wieder festgestellt, dass wir an gewissen Punkten der Diskussionen zum Ergebnis kamen, diese Dinge möglichst überall mit allen diskutieren zu wollen. Dies führte ja auch dazu, dass sich recht viele Gruppen und Zuständigkeiten gefunden haben, die den Weiterentwicklungsprozess begleiten wollen. Wie die Gruppe die Satzungsänderungsanträge für den BPT in Hinblick auf Struktur erarbeitet; das Team Kampagnenplanung, das für alle offen ist und am 7.8/12 sich in Dresden wieder trifft; das geplante KommunikationsBarcamp; etc.

Und welche Elite denn bitte? Dort waren Menschen (nicht nur Vorstandsmitglieder; ich war aus NRW übrigens das einzige Vorstandsmitglied von vier NRW-Teilnehmern) die sehr aktiv im Wahlkampf waren und Erfahrungen aus den unterschiedlichen Schlüsselaufgaben mitbrachten. Wir sind alle einige Kilometer gefahren, sind am Wochenende jeweils morgens ziemlich früh aufgestanden und haben insgesamt ca. 16 Stunden alleine vor Ort gearbeitet, von Vor- oder Nachbereitung gar nicht erst zu sprechen. Mir gehts jetzt nicht um ein persönliches #mimimi ich möchte das nur mal vor Augen halten. So ein Wochenende macht natürlich auch viel Spaß, weil wir viele tolle Menschen in dieser Partei haben, es ist in erster Linie aber ein Arbeitstreffen. Da ist es dann doch schon recht verletzend solche Aussagen, wie die oben genannten, von Leuten zu hören, die selbst nicht vor Ort sind...

Ein ähnliches Treffen gab es auch am 03.11.13 in Kerpen. Die „Wir müssen reden 2013“

Dort war ich mit Stephan Kornberger und unserem Mitmoderator Hollarius, Themenpatin für den Slot „Kommunikation“ aber dazu bald mehr...genug für heute ;)

Tschööö :*

Die Sasa