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Zum heutigen Naziaufmarsch #HoGeSa in Köln

In den letzten Wochen sind mir mehrere gefährliche Entwicklungen im Kampf gegen Salafisten aufgefallen, die mir große Sorgen bereiten und mich wütend machen. Zwei Beispiele möchte ich hier gern nennen und komme dann aus aktuellem Anlass zur heutigen Demo in Köln (dieser Text ist heute am späten Nachmittag entstanden):

1. Fall: Ein Video und seine Verbreitung

Beim lesen meiner Facebook-Timeline viel mir vor ca. 2 Wochen auf, dass eine Freundin einen Beitrag teilte, der mir die Spucke im Halse stecken lassen ließ: Ein Video eines Mannes, mit bedecktem Kopf und Vollbart, der gegen alle in Deutschland lebenden Menschen hetzt, die sich nicht dem Islam anschließen. Der klar dazu aufruft, diese Menschen zu verjagen und für einen islamischen Staat zu kämpfen. Unter dem Video standen dann von demjenigen, der diesen Post ursprünglich erstellt hat, Kommentare wie: "Das habt ihr jetzt von eurem Multikulti!" und "Lasst die Islamisierung unseres Landes nicht zu!" Ich erklärte meiner Freundin darauf, dass ich verstehen kann, dass einem die Entwicklung terroristischer Vereinigungen weltweit und auch in Deutschland echt Angst bereitet, dass dies aber niemals dazu führen darf rechtes Gedankengut zu verbreiten. Auch erklärte ich ihr, warum das was sie geteilt hat überhaupt rechte Hetze ist.

Danach sagte sie mir, dass ihr das so nicht bewusst war und das nicht ihre Intention war diesen Beitrag zu teilen. Sie ist gegen gewalttätige und terroristische Vereinigung jeglicher Art, natürlich auch gegen Nazis, aber würde niemals gegen Muslime oder andere Religionen pauschal hetzen wollen und erst recht nicht damit Nazis auch noch unterstützen.

2. Fall: Im Vorfeld zum Naziaufmarsch in Köln

Vor ein paar Tagen erzählte mir dann ein Freund, der ein großer Preussen Münster Fußballfan ist, eine Dauerkarte hat und quasi jedes Wochenende im Stadion ist, dass er von Fußball-Freunden erfahren hat, dass heute in Köln die Hooligans und weitere Anhänger von Preussen Münster mit anderen, gegen die Salafisten demonstrieren würden. Sie wollen nicht länger ruhig dabei zuschauen, wie radikale Salafisten in Deutschland immer größer werden und weiter nach Syrien, Kurdistan, usw. fliegen um in den heiligen Krieg zu ziehen und Menschen abschlachten. Er war sehr traurig darüber, dass er weder zu dem Spiel am Vortag in Köln gehen, noch seine Bekannten am nächsten Tag bei der Demo unterstützen könne.

Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nichts von der geplanten Demo mitbekommen, doch hatte gleich ein sehr ungutes Gefühl im Bauch. Ich erzählte ihm von dem 1. beschriebenen Fall mit meiner Freundin und das ich mir große Sorgen mache, wie derzeit der Kampf gegen terroristische Gruppierungen dazu missbraucht wird, rechte und menschenverachtende Parolen zu verbreiten. Wie klar dem rechten Spektrum zuzuordnende Gruppierungen oder Personen, die stattfindende Berichterstattung der zurecht besorgnisserregenden Entwicklung der Salafisten in Deutschland dazu nutzen, gegen alle Muslime und ausländischen MitbürgerInnen zu hetzen. Er hat das gleich verstanden, glaubte aber nicht, dass diese geplante Demo von Nazis organisiert würde, mit denen hätte er schließlich nichts zu tun. Er ist nur ein Fußballfan, der regelmäßig ins Stadion geht und dort von seinen "Freunden" von dieser Demo erfahren hat, die auch dort hinfahren werden und es sei ja gut gegen extremistische Vereinigungen auf die Straße zu gehen.

Und heute sehen wir das furchtbare erschreckende und widerliche Ergebnis in Köln. Laut der aktuellen Berichterstattung sind derzeit über 2000 Hooligans und Nazis auf der #HoGeSa! (Aktualisierung 22:45: Laut Berichterstattung waren es sogar über 5000)

Ich konnte heute leider nicht selbst dort hin fahren und verfolge deshalb nur die Presseberichterstattung und diverse Social Media Kanäle zur Demo. Dort liest man unter den Twitter-#Hashtags #HoGeSa (Hooligans Gegen Salafisten) und #NoHoGeSa (No Hooligans Gegen Salafisten) wirklich erschreckende Dinge. Die rechtsextreme Band Kategorie C ist aufgetreten und ständig sind rechte Parolen zu hören. Es findet eine Gegendemo, organisiert von AntifaschistInnen statt, auf der derzeit nach Schätzungen ca. 1000 Menschen mutig dem braunen Sumpf entgegentreten.

Während ich das hier gerade schreibe kommt es in Köln zu massiven Ausschreitungen! Die Nazis attakieren PolizistInnen und AntifaschistInnen der Gegendemo. Böller werden gezündet, Steine fliegen, Bilder mit umgestürzten Polizeiwannen rauschen durch meine Twitter-Timeline, Wasserwerfer und Pfefferspray werden von der scheinbar völlig überforderten Polizei eingesetzt. Grauenhafte Bilder! Ca. 3mal so viele Nazis wie AntifaschistInnen in Köln.

Puh, und ich sitze sprach- und hilflos Zuhause und wäre viel lieber gerade selbst vor Ort, um die AntifaschistInnen zu unterstützen. Passt bitte auf euch auf und bleibt zusammen!

Und dann blitzte der Gedanke an meinen Freund, der eigentlich nur durch einen Zufall nicht nach Köln gefahren ist, wieder hoch. Er hätte heute genauso dort sein können, das aber nicht als Gegendemonstrant. Und das völlig im Unwissen, dass dies eine leider gut organisierte Nazidemo voller menschenverachtendem Hass und Gewalt wird und nichts mit dem zu tun hat, weswegen er eigentlich dahin gefahren wäre. Vielleicht wäre ihm auch vor Ort nicht direkt aufgefallen, mit wem und was er sich da gerade solidarisiert.

Ich spreche gerade mit ihm über die Situation und er ist auch nur geschockt über das was sich in Köln gerade abspielt.

Was ich eigentlich mit diesen beiden Darstellungen sagen möchte ist: Schaut genau hin, wer hinter der Organisation solcher Veranstaltungen steckt! Wer lädt alles dazu ein und verbreitet was dazu? Wer verbreitet solche Posts wie oben beschrieben? Welche Kommentare stehen darunter?

Es ist nicht so, dass jeder Nazi immer sofort zu erkennen ist, weil derjenige deutliche und bekannte rechtsextreme Parolen verbreitet, Springerstiefel und Bomberjacke trägt und eine Glatze hat oder bekannte Symbole trägt. Der Nazi von heute ist geschickter, angepasster, nutzt die Ängste und Sorgen seiner Mitmenschen gezielt aus um weiter Angst zu schüren und nach und nach AnhängerInnen ihrer menschenverachtenden Ideologie zu gewinnen. Hier in diesen Fällen, die Angst vor der IS, vor Terrorangriffen und den Salafisten, die immer wieder dazu genutzt wird gegen alle Muslime zu hetzen. Und das stößt immer mehr auf Anklang. Sei es noch unbewusst, wie in meinen beschriebenen Fällen oder schon deutlich radikaler und bewusster, wie ich leider auch immer mehr im Netz lese oder auf der Straße höre. "Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber..." ist da eins der harmloseren Beispiele...

Doch wehret den Anfängen!

Wir alle sind dazu aufgerufen diese Entwicklung zu stoppen und uns klar gegen Nazis zu positionieren! Wenn euch solche oder ähnliche Vorfälle auch schon in eurem Alltag begegnet sind, seid nicht still und sagt nichts dazu. Sprecht die Menschen an, informiert sie darüber warum sie damit rechtes Gedankengut unterstützen und Ausländerfeidlichkeit schüren. Lasst jegliche menschenverachtende und diskriminierende Äußerungen nicht einfach im Raum stehen, sagt was dazu. Ob öffentlich oder im 4-Augengespräch, auf Demos oder im Netz.

Gegen menschenverachtende Vereinigungen wie den radikalen Salafisten demonstrieren ja, aber dann schließt euch doch bitte den AntifachistInnen an, die gegen jegliche Form von Rassismus und Diskriminerung friedlich auf die Straße gehen und werdet nicht selbst zu Rassisten!

Wir dürfen nicht länger die Gefahr von Rechts mitten in unserer Gesellschaft verschweigen, sondern müssen diese klar benennen, Menschen informieren und klar Kante gegen rechts zeigen! Ob PolitikerInnen, die Medien, Vereine oder Tante Erna von der Käsetheke. Jede* einzelne* von uns trägt Verantwortung!

Doch unsere Politik trägt hierbei besondere Verantwortung. Die heutigen Ausschreitungen in Köln und das Versagen der Polizei haben mal wieder gezeigt, dass die Gefahr von Rechts entweder aus Naivität nicht gesehen oder verharmlost wird oder man es nicht sehen will. Dies muss Konsequenzen haben Herr Innenminister Jäger!